Wie dich deine Darmbakterien fett oder dünn machen

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Immer mehr Menschen kämpfen heutzutage mit der Fettleibigkeit. Wir alle kennen die Hauptgründe dafür, der schnelllebige Lifestyle von heute mit einer ungesunden Ernährung, wenig Bewegung und vielleicht ein paar schlechten Gene. Nichts desto trotz, wurde von Forschern in den letzten Jahren noch ein ganz anderer Grund für die Dicke des Bauches in Betracht gezogen, welcher sich in den Tiefen unseres Darmes versteckt. Es ist unsere Darmflora bzw. Millionen von kleinen Mikroorganismen.

Diese kleinen Freunde helfen uns bei der Verstoffwechslung unserer Nahrung und kompostieren hartnäckige Pflanzenfasern. Doch dies ist noch lange nicht alles, sie helfen die Glukoselevel in unserem Blut zu stabilisieren, sie entscheiden darüber wie wir Fett anlegen und wie wir auf Hormone reagieren welche uns z.B. sagen wir sind satt oder haben noch Hunger. Die falsche Kombination an Mikroorganismen in unserem Darm kann die Basis für Diabetes und Fettleibigkeit sein.

Was beeinflusst unsere Darmflora?

Die Darmbakterien etablieren sich schon sehr früh in unserem Leben. Mit der Geburt durch Geburtskanal werden wir sozusagen durch die im Scheideraum hausenden Bakterien angeimpft und bekommen damit den Grundpfeiler für unsere Damrflora. Wenn das Baby jedoch mit einem Kaiserschnitt zur Welt kommt, unterscheidet sich dessen Darmmileu schon enorm. Die Kombination an Bakterien ist wesentlich ungünstiger. Das Risiko im laufe unseres Lebens Übergewicht zu bekommen und öfters an Krankehiten zu leiden ist auch deutlich höher. Auch wenn sich das Darmmileu schon früh etabliert, so kann es im Laufe unseres Lebens deutlich verändern. Unser Alter, Ernährungsweise, Umweltbedingungen, einnahme von Medikamenten sowie unsere allgemeine Lebensweise entscheiden im späteren Leben darüber, welche art von Bakterien in uns hausen.

Insbesondere unsere Ernährung in den ersten Jahren unseres Lebens prägt uns. Wenn das Baby durch Mamas Brust genährt wird, wird der Aufbau der guten Bakterien gefördert, aber auch spätere Essgewohnheiten sind entscheident, sowie auch unsere geographischer Standpunkt. Je nachdem,was wir essen, steht unseren Bakterien ein anderer „Sprit“ zur Verfügung und dementsprechend vermehren sich diese, welche diesen Sprit am besten verwerten können. Dies fängt schon bei den Makronährstoffen an, je nach dem ob wir mehr Kohlenhydrate oder mehr Fett essen, bildet sich unsere Damrflora aus.

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Heißhunger und Fressattacken aus dem Darm

Es gibt immer mehr Belege dafür, das unsere Darmflora Einfluss darauf hat, auf was es uns gerade gelüstet. Wir wissen, das Mäuse, welche in keimfreier Umgebung aufwachsen, ein stärkeres Verlangen nach Süßem haben, sowie auch mehr Rezeptoren für den süßen Geschmack im Darm haben. Forscher haben auch herausgefunden, dass diejenigen die süchtig nach Schokolade sind, andere mikrobielle Stoffwechselendprodukte im Urin ausscheiden, als jemand der null an Schokolade interessiert ist.

Viele Darmbakterien können spezielle Proteine erzeugen (Peptide) welche unseren Hormonen sehr ähneln. Das Peptid YY beispielsweise ähnelt sehr dem Hormon ghrelin, welches den Hunger reguliert. Menschen und Tiere produzieren Antikörper egen diese Peptide. Dies macht die Möglichkeit deutlich, das Bakterien in der Lage sind unsere Essensgewohntheiten mit ihren Peptiden welche die Hunger-steuernden-Hormone simulieren oder durch die Antikörper mit unserem Appetit interferieren können.

Es gibt noch weitere Belege dafür, wie uns die Organismen in unseren Essgewohnheiten beeinflussen. So arbeitete Sean Davies von der Vanderbilt University mit einem Bakterium, welches ein Lipid produziert, was in Mäusen ein Völlegefühl auslöst. Wenn die Mäuse nun Wasser angereichert mit diesem Bakterium tranken, aßen die Mäuse weniger und hatten niedrige Körperfettwerte egal was man ihnen an essen anbot.

Neben der Hungerregulation, können die Mikroorganismen aber noch in weitere Mechanismen eingreifen. Unter anderem können sie auch in unser Belohnungszentrum eingreifen, indem sie stimmungsverändernde Toxine produzieren oder unseren Geschmackssinn übernehmen.

FastFood zerstört unsere Darmflora

Junkfood essen tötet unsere Darmbakterien! Und genau diese Bakterien sind es auch, die uns gegen Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs, Herzerkrankungen, Entzündungen, Autismus und Darmerkrankungen schützen. Unser Darm beherbergt mehr als 3500 verschiedene Arten von Bakterien und diese können zusammen ein Gewicht von bis zu 2kg haben.51MzBLv5PjL._SY344_BO1,204,203,200_

Ein bekanntes Experiment von Tim Spector, einem Professor für genetische Epidemiologie vom King’s College London, untersuchte den Einfluss von Fastfood auf unsere Darmflora. Bei dem Experiment ging sein 23 Jähriger Sohn auf eine Fastfood-Diät und bekam für die nächsten 10 Tage nur noch das beste was Mc Donalds zu bieten hatte. Hamburger, Pommes, Chickennuggets und  Cola standen täglich auf dem Programm. Am Anfag des Experimentes beinhaltete seine Darmflora 3500 verschiedene Bakterienarten, dominiert von dem Typ Firmicutes. Nach den 10 Tage hatte der Junge 1300 Arten an Bakterien weniger in seinem Darm und es dominierte die Art Bakterioides. Der Junge selbst, beschrieb, wie er sich zum Ende hin nur noch unwohl fühlte, keine Energie mehr hatte und seine Mitstudenten meinten er sehe irgendwie gräulich aus. Selbst zwei Wochen nach dem Experiment konnte sich sein Darmflora noch nicht regenerien. Ein Verlust an der Vielfalt seiner Darmbakterien ist ein deutliches Indikator für schlechte Gesundheit und eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten. Man findet dieses Symptom im Darm von dicken Menschen, wie auch von Diabetikern wieder und eine ganze Reihe an Immunproblemen können die Folge sein.

Die immer schlechter werdende Essgewohnheiten der Bevölkerung spiegeln sich in der Vielfalt der Darmbakterien wieder. In den letzten Jahrzehnten ist ein deutlicher Rückgang an der Diversität der Bakterien zu erkennen.

Ich kann jedem den Film SuperSize me ans Herz legen, der interessiert daran ist, was passiert wenn wir uns mit FastFood vollstopfen.

Die dicke und die dünne Maus

Um mehr über die Auswirkungen der Unterschiede in der Darmflora zu erfahren, wurden Experimente mit Mäusen gemacht, welche den unterschiedlichsten Bedingungen ausgesetzt wurden. Es wurden keimfreie Umgebungen genutzt um identische Mäuse heranzuzüchten, welche völlig frei von Bakterien waren. Danach wurden diese in zwei Gruppen gespalten. Man nahm nun die Darmflora einer dicken Frau und die ihrer dünnen Zwillingsschwester. Diese unterschiedlichen Bakterienstämme wurden daraufhin den Mäusen implatiert.

Die Mäuse bekamen absolut dieselbe Nahrung und lebten unter identischen Bedingungen. Mäuse welche jedoch die Bakterien der dicken Frau bekommen hatten, waren deutlich fettleibiger und schwerer als die Vergleichsgruppe. Man konnte auch hier wieder einen Zusammenhang zwischen der Vielfalt an Bakterien der dicken Gruppe und der der dünnen Gruppe feststellen.

Wenn man nun die beiden Gruppen in einem Käfig hielt, stellte man fest, dass beide Gruppen dünn blieben. Man stellte fest, das die „dicke“ Gruppe die Fäkalien der „dünnen“ Gruppe ass und somit deren Bakterienkulturen übernahm.

Um den Zusammenhang noch weiter zu unterstreichen, führte man bei den dicken Mäusen eine Implemention von Bakterien der dünnen Mäuse zu und konnte beobachten wie diese wieder dünn und gesund wurden.

Dieses Experiment würde erklären, warum manche Menschen einfach dünn bleiben, während andere nur beim anschauen von einem Stück kuchen ein paar kilos mehr auf den Rippen haben.

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Wie baue ich eine gesunde Darmflora auf?

Grundsätzlich fängt alles mit Probiotika und Präbiotika an. Probiotika sind eine Vielzahl an guten Bakterien die sich in unserem Darm niederlassen. Präbiotika sind bestimmte Komponenten in Pflanzenfasern, welche unverdaut durch den Magen kommen und als Nahrung für unsere Bakterien gelten. In erster Linie ist es wichtig die guten Darmbakterien zu füttern, um ein gutes Milieu zu schaffen.

Der Markt ist heutzutage überhäuft mit probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln und man weiß meist nicht, welches jetzt wirklich wirkt und welches nicht. Es bringt nichts ein teures Probiotika zu kaufen, wenn am Ende die meisten Kolonien schon Tod sind, wenn sie bei uns ankommen. Desweiteren kommt es weniger darauf an wie viele Bakterien in dem Präperat sind, sondern eher was für Arten von Bakterien. Es kommt viel mehr auf die Variarität der Bakterien an, also wie viele unterschiedliche Stämme vorhanden sind. Die drei Stämme die meines erachtens in einem Probiotika erhalten sein sollten sind:

  • L.acidophilus – Dies ist eine der wichtigsten Art vom Typ der Laktobazillen. Er kommt vor allem an den Wänden im Dünndarm vor und unterstützt die Aufnahme von Nährstoffen. Außerdem hilft er bei der Verdauung von Milchprodukte, falls man diese essen möchte, kann diese Art von Bakterien helfen diese besser zu verwerten.

  • B.longum – dieses Bakterium hat anti-entzündliche Eigenschaften welche unsere Darmzellen vor Toxinen schützen. Außerdem helfen sie unseren Immunzellen beim wachsen, so dass diese anständig funktionieren. Dieses Bakterium ist schon in der Muttermilch präsent und ist somit eines der ersten Mikroben, welche unseren Darm besiedeln.

  • B.bifidum – ähnlich wie die anderen Bifidobakterien, haben diese antientzündliche Eigenschaften und unterstützen die Immunzellen bei ihren Funktionen. Das Bifidium Bakterium sorgt aber auch für eine Ansäuerung seiner Umgebung, wordurch Krankheitskeime am Wachstum und der Vermehrung gehindert werden.

Es ist ratsam zwischen den verschieden Probiotika immer zu variieren, um möglichst viele unterschiedliche Stämme zu bekommen. Außerdem sollte man die Probiotika immer im Kühlschrank aufbewahren, da diese dort länger überleben. Ich benutze zur Zeit das CombiFlora von Effective Nature und bin ziemlich zufrieden damit. Eine weitere Möglichkeit, um von den Vorteilen von Probiotischen Mikroorganismen zu profitieren, sind fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kefir.

Die Präbiotika hingegen sind das Futter für unseren kleinen Freunde. Sie sind die Ballaststoffe bzw. unverdauten Bestandteile von den Pflanzen welche in den Darm gelangen. Es gibt eine ganze Anzahl verschiedener Lebensmittel mit besonderen Präbiotischen Eigenschaften.

  • Akazienfasern enthalten mehr als 80 % lösliche Ballaststoffe. Sie erhöhen das Stuhlvolumen und machen den Stuhlgang weicher. Sie haben einen sehr nachhaltigen Effekt auf unsere Darmfunktionen und zwar ohne – wie es sonst bei vielen Ballaststoffen vor allem bei gleichzeitigem Zuckerkonsum der Fall ist – Blähungen auszulösen. Eine Besonderheit also, die auf die komplexe, verzweigte Struktur der Akazienfaser zurückzuführen ist.

  • Inulin ist ein natürlicher Inhaltstoff in vielen Präbiotischen Nahrungsergänzungsmitteln und essentiell für unsere Darmgesundheit. Es ist ein Oligosaccharid, also eine Art Kohlenhydrat, welches aber keine Kalorien für uns hat. Es findet sich in vielen Pflanzen wieder und kann bei einer pflanzenbasierten Ernährungsweise ausreichend zugeführt. Gute Lieferanten für Inulin sind vor allem Chicoree-Wurzeln, Artischocken, Lauchzwiebeln, Knoblauch und Bananen.

  • Ballaststoffreiche Lebensmittel solten die Grundlage jeder Ernährung bilden. Gemüse und Grünzeug sind in der Regel alles super Lieferanten von wertvollen Ballaststoffen. Sie helfen uns nicht nur, dass sich unsere Lebensmittel nicht zu lange in unserem Darm aufhalten, sondern können auch als Grundlage für einige gesundheitlich förderliche Stoffe dienen, welche unser Damrbakterien als Stoffwechselendprodukt bilden. Lebensmittel mit hohen Ballaststoffanteil sind Erbsen, Linsen, Brokkoli, Rosenkohl, Beeren und Avocado. Wer sich trotzdem unsicher ist, ob er genügen Ballaststoffe aufnimmt kann auf eine Ergänzung mit gemahlenen Flohsamenschalen zurückgreifen.

Stuhltransplantation

Es gibt natürlich auch Fälle, in denen die Darmflora schon so weit geschädigt ist, dass eine Besserung nur schwer mit den normalen Mitteln zu erreichen ist. Seit ein paar Jahren gibt es jedoch die Therpaie der Stuhltransplantantion, also die Übertragung von fremden Stuhl in den Darm des Patienten. Gerade Menschen die lange Antibiotika eingenommen haben und dementsprechend eine sehr schelchte Darmflora ausweisen, können von diser Therapie proftieren. Sie kann bei bestimmten Krankheiten, sowie bei Übergewicht helfen. Es ist wichtig, dass der Spender vorher untersucht wurde und man nicht wahllos sich von irgendjemandem etwas implementieren lässt.

Wer sich unsicher ist ob bei ihm alles inordnung ist,  sollte unbedingt seine Darmflora anhand einer Stuhlprobe testen lassen. *Klick*

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Fazit

Wir leben in Symbiose mit unseren Bakterien. Sie produzieren viele essentielle Nährstoffe und Vitamine für uns, während wir ihnen Nahrung durch die Wahl der richtigen Lebensmittel liefern, welche ihnen Energie und Gesundheit spenden. Sie priduzieren gesundheitlich förderliche Stoffe welche die optimale Funktion unseres Immunsystem gewährleisten. Ich kann niemanden davon abhalten FastFood zu essen, aber die negativen Effekte auf das Darmmilieu und die allgemeine Gesundheit werden sich irgendwann bemerkbar machen. Wer dafür sorgt, dass es seinen Darmbakterien gut geht, wird ein Leben lang davon profitieren. Gebt den kleinen Jungs was sie lieben, wie probiotische Lebensmittel, Wurzelgemüse, Nüsse, Oliven und Ballaststoffreiche Lebensmittel, und sie geben euch Vitalität und Gesundheit.

Dave


Quellen:

  • https://ucsf.box.com/shared/static/pdz2z4b5fdvwlpr9hfdh.pdf
  • http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnint.2013.00070/full
  • http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12851312
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  • http://www.cdd.com.au/pages/disease_info/clostridium_difficle.html
  • http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24641570

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Dave

Dave

Ich bin 25 Jahre alt studiere Bioinformatik und lebe für Fitness und Gesundheit. Ich möchte Menschen inspirieren und dazu motivieren auch Selbst das Leben zu leben, dass ihnen zusteht. Ich werde diese Welt als eine bessere verlassen, als die die ich bei meiner Geburt hier betreten habe.

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